Nachdem der Wettergott es auch im Oktober noch gut gemeint hat - zumindest am Anfang des Monats - sind wir
zur endgültigen Abschlusstour für 2026 aufgebrochen. Weit muss es nicht gehen, zur Mosel reicht völlig. Das Studium
der Google Maps Rezensionen der Campingplätze nahe der bekannten Weinorte hat uns vom Moselcamping Rissbach
bei Traben-Trarbach überzeugt.
Bereits bei der Buchung konnten wir den Wunschplatz aussuchen, den wir dann auch beziehen durften. Das Wohnmobil
schnell mittels der neuen 4-stufigen Auffahrkeile in die Waagerechte gebracht, das Stromkabel angeschlossen,
Gas aufgedreht, Stühle und Tisch aufgestellt und auf zur ersten Erkundungsrunde nach Traben-Trarbach. Die knapp 2,5 km
in den Ort führen direkt an der Mosel entlang, die nach unserer Einschätzung trotz des trockenen Sommers gut gefüllt
war. Als erstes Ziel steuerten wir den Marktplatz an. Dort fand ein kleines Weinfest statt. Um die lauten Rufe
unserer Mägen zu mildern, gab es leckeren Zwiebelkuchen und Federweißer. Frisch gestärkt haben wir noch einige Straßen
von Traben und Trarbach erkundet.
Den Abend haben wir im Restaurant Riff, welches zum Campingplatz gehört, ausklingen lassen.
Für eine größere Darstellung, einfach auf das Bild klicken.
Unser heutiges Ziel ist die Ruine Grevenburg und die Himmelsliege. Der Wetterbericht sagt einen
warmen und sonnigen Tag voraus, der eine gute Fernsicht Richtung Eifel oder Hundsrück verspricht.
Allerdings beginnt der Morgen mit Nebelfeldern. Die sehen zwar über der Mosel auch interessant aus,
aber Nebel brauchen wir eigentlich nicht. Bis zu unserem Start ist die trübe Suppe fast verschwunden und
die Sonne bahnt sich ihren Weg. Der Wetterbericht hatte mit seiner Vorhersage Recht behalten.
Der ausgeschilderte Weg beginnt im Stadteil Trarbach und wie sich das gehört mit einer Umleitung. Wir
finden dann doch schnell den Weg über den Franzosensteig. Den Namen "Steig" hat er sich wirklich verdient,
denn es geht über x Stufen aufwärts. Gezählt haben wir sie nicht, aber es mögen gefühlt an die 200 gewesen
sein. Die erste Zwischenstation zur Ruine bildet das Kriegerdenkmal, das an die gefallenen Trarbacher im
deutsch-französischen Krieg erinnert. Weiter auf naturbelassenen Stufen geht es hoch zur Ruine, die man
an mancher Stelle schon sehen kann. Dort angekommen bietet sich ein toller Blick über Traben-Trarbach und
die Moselschleife. Obwohl die kleine Gaststätte (Montag und Dienstag Ruhetag) nicht geöffnet hatte, haben
wir einige Zeit in der Burg verbracht.
Eine Beschilderung zur Himmelsliege haben wir leider nicht mehr gefunden, aber Google Maps hat uns
einen ungefähren Weg gewiesen. Auf natürlich schmalen Pfaden ging es den Berg weiter hinauf. Nach einer
relativ kurzen Wegstrecke hatten wir es wirklich geschafft und standen vor der Himmelsliege. Unter
fast ständiger Begleitung der Sonne und den warmen Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit.
Allerdings ist von dort die Nah- und Fernsicht noch grandioser.
Für den Rückweg hatten wir einen schönen Wanderweg gefunden, der nur wenige Meter vom Aussichtspunkt
entfernt war. Den konnten wir bis zum Kriegerdenkmal nutzen. Das ersparte eine große Anzahl von Stufen. Ab
da mussten wir den vom Aufstieg bekannten Weg nehmen.
Zur Belohnung genehminten wir uns einen schönen Eisbecher. Dabei wurden schon die ersten Ideen für
den Folgetag entwickelt. Aber erst mal abwarten, was die Muskeln sagen, die solche Aufstiege nicht gewohnt
sind.
Heute gibt sich die Sonne gleich die Ehre und der Muskelkater von der gestrigen Tour hält sich in
Grenzen. In der Phase der Reisevorbereitumg hatten wir die Panoramaschaukel entdeckt. Klar, daß die
Schaukel auch auf dem Weinberg zu finden ist, aber schlimmer wie gestern kann es wohl nicht werden -
dachten wir.
Anstatt den ersten guten Kilometer neben der Bundesstraße zu laufen, sind wir auf den Moselradweg
ausgewichen. Der führte uns über die Brücke der Bundesstraße auf die andere Moselseite. Von da weiter
bis zur Ortschaft Wolf und dann wieder über die Mosel. Von dort waren wir uns wieder mit Maps einig und
der Weg führt durch die Weinberge, der Wolfer Goldgrube und dem Kröver Nacktarsch ('tschuldigung, der heißt so).
Nach knapp 100 m die Überraschung! Der Weg war wegen Felsabbruch gesperrt. Also zurück und bis zur nächsten
Möglichkeit doch neben der Bundesstraße laufen. Jetzt sollte es aber mit dem Aufstieg klappen. Nach ein paar
Metern kamen uns Wanderer entgegen, deren Weg gesperrt war. Wie weiter? Unbeirrt sind wir unserem Weg gefolgt.
Die Sperrung haben wir auch gesehen, hat uns jedoch nicht betroffen. Teilweise ging es steil in Serpentinen
nach oben. Endlich gab es einen Weg, der uns ohne weiter Anstrengungen zur der Schaukel führte. Schaukeln
konnten wir nicht, da nur noch das Gerüst vorhanden war. Von da gab es aber wieder eine tolle Aussicht über
die Wolf-Kröver-Moselschleife. Nach einem kleinen Abstecher zum Schriftzug "Kröver Nacktarsch" folgten wir der
Wanderbeschilderung mit den Nummern 9 und 10 Richtung Traben-Trarbach. Zunächst ging es moderat auf einem
Asphaltweg aufwärts. Dann hatten wir die Idee, durch ein braches Weinfeld den Weg abzukürzen, was wohl schon
einige vor uns gemacht hatten. Puh, ging das steil aufwärts und das letzte Drittel war noch einmal extrasteil.
Jetzt wurde der Weg flach und so gelangten wir gemütlichen Schrittes nach Traben-Trarbach. Am Ortseingang
noch eine kleine Rast auf der XXL-Panoramabank, bis es dann hinunter an die Mosel und den Weg zurück zum
Campingplatz ging.
Am Wohnmobil angekommen war eines klar: Morgen nur noch ebene Wege, keine Berge!
Es bleibt dabei: Heute keine Berge! Der Muskelkater ist doch zu deutlich. Aber den ganzen Tag am
Wohnmobil sitzen? Geht gar nicht! Wo fahren eigentlich die kleinen Ausflugsdampfer hin? Das erkunden wir.
Am Schiffsanleger in Traben erfuhren wir, daß die Schiffe bis Bernkastel-Kues und zurück fahren. Da
wir dann doch etwas spät dran waren, wurde uns die Teilstrecke zum Kloster Machern empfohlen. 1 Stunde hin,
1 Stunde zurück und 1,5 Stunden Aufenthalt ist doch genau richtig für heute. Bis zur Abfahrt des Schiffes
noch eine kleine, leichte Runde durch Traben und dann ging es los.
Vom Anleger nur über die Straße und schon stehen wir im Klosterhof. Mönche oder Nonnen waren nicht zu
sehen. Dafür gibt es ein Cafe, ein Eiscafe, eine Klosterbrauerei mit dem zugehörigen Brauhaus, den Klostergarten
und eine Destille in der Crypta. Die Zeit dort verging schnell und wir mussten wieder zum Anleger, da dies die
letzte Möglichkeit war, nach Traben zurück zu kommen.
Was für eine Nacht! Es began zu regnen und die dicken Tropfen vom Baum fielen nicht lautlos auf das
Wohnmobil. Und dann kam noch böiger Wind dazu. Der bewirkte, daß der Walnussbaum seine Früchte preisgab. Es
krachte und schepperte auf das arme Dach. An Schlaf blieb diese Nacht nicht mehr viel übrig. Zum
Glück gab es keine Dellen oder andere Schäden am Camper. Bis zum Nachmittag gab es immer wieder Regenschauer
und viel Lärm von den herunterfallenden Walnüssen.
Für den späteren Nachmittag hatten wir eine Führung durch die Trarbacher Unterwelt gebucht - eine
Führung durch verschiedene Weinkeller. Das Prospekt sah deutlich besser aus, als die Wirklichkeit. Im ersten
Keller gab es noch alte Weinfässer zu sehen und es gab einen interessanten Vortrag vom Winzer zur Weinherstellung
und Lagerung. Da Traben-Trarbach im 19. Jahrhundert neben Bordeaux der zweit wichtigste Handelsplatz für Wein
war, wurden viele Weinkeller in den Schieferfels getrieben. Außer den Kellern ist leider nicht mehr viel davon
erhalten.
Zum Abschluß unserer Campersaison hatten wir nochmal ein paar schöne Tage. Da es in den
Winter hinein geht, können wir langsam mit der Planung für 2027 beginnen. Rastlose Rentner on Tour!
Reise vor dem Sterben,
sonst reisen Deine Erben!